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Praxis

Praxisbeiträge

Der erste Beitrag dieser Rubrik handelt von einer Geschichte, die viele kennen: Das Buch ist gekauft oder in der Bibliothek ausgeliehen, die ersten Seiten sind im Bus gelesen, und zwei Wochen später liegt es ganz unten in der Tasche, das Lesezeichen an derselben Stelle. Meist liegt das weder an Faulheit noch am Buch selbst, sondern daran, dass das Lesen unterwegs keinen festen Platz im Tag hat. Unten finden Sie ein Vorgehen, das für gedrucktes Buch, E-Reader, Smartphone und Hörbuch gleichermaßen passt. Wir nennen keine Geräte oder Dienste und versprechen keine schnellen Ergebnisse. Das Ziel ist bescheiden: dass Sie nach einem Monat ein zu Ende gelesenes Buch haben und wissen, wie Sie das nächste auswählen.

Ein abgebrochenes Buch ist kein Scheitern, sondern ein Hinweis auf Ihren Geschmack. Wichtig ist nicht, um jeden Preis zu Ende zu lesen, sondern nicht ganz mit dem Lesen aufzuhören.

— Notiz der Redaktion

Bevor Sie beginnen

  • Sie wissen ungefähr, wie lange Ihre übliche Fahrt dauert und wo Sie umsteigen
  • Sie haben ein Buch, das Sie wirklich lesen möchten – gedruckt, elektronisch oder als Hörbuch
  • Ein Lesezeichen, ein Bleistift oder eine Notiz-App für kurze Notizen ist griffbereit
  • Sie sind bereit, das neue Vorgehen mindestens eine Woche auszuprobieren, bevor Sie urteilen
  1. Beobachten Sie Ihren Weg

    Achten Sie ein paar Tage lang einfach darauf, wie lange Sie unterwegs sind und welche Abschnitte ruhig sind: wann Sie sitzen können, wann Sie an der Wand stehen und wann Sie auf den Umstieg achten müssen. Planen Sie das Lesen für die ruhigen Abschnitte, nicht für die gesamte Strecke.

    Fiktives Beispiel: Die Fahrt dauert vierzig Minuten, ruhig sind davon etwa fünfundzwanzig – zwischen Einsteigen und Umsteigen. Genau dafür ist das Buch gedacht.

  2. Wählen Sie ein Buch für diese Abschnitte

    Ist der ruhige Abschnitt kurz, eignen sich Bücher mit kurzen Kapiteln, Erzählungen, Essays und Sammelbände. Für lange Fahrten passt ein Roman, in den man eintauchen muss. Nehmen Sie nichts mit, das Tabellen, Schaubilder und ständiges Zurückblättern verlangt: So etwas liest sich zu Hause angenehmer.

    Fiktives Beispiel: Das dicke Geschichtsbuch bleibt im Regal, in die Tasche kommt ein Erzählband, bei dem jeder Text in eine Fahrt passt.

  3. Machen Sie das Buch sofort greifbar

    Legen Sie fest, wo das Buch in der Tasche seinen Platz hat oder auf welchem Bildschirm es geöffnet ist. Auf dem Smartphone hilft es, das Buch griffbereit zu halten und während des Lesens Benachrichtigungen stummzuschalten, damit Sie nicht mit Nachrichten beginnen. Ein Hörbuch halten Sie am besten schon zu Hause an der richtigen Stelle an.

    Fiktives Beispiel: Das Buch steckt in der Seitentasche des Rucksacks statt ganz unten, sodass Sie es im vollen Wagen herausnehmen können, ohne den Rucksack abzusetzen.

  4. Verknüpfen Sie das Lesen mit einem Moment

    Vereinbaren Sie mit sich eine einfache Regel: Das Buch wird geöffnet, wenn Sie sitzen oder sicher stehen, und ein bis zwei Haltestellen vor dem Aussteigen weggepackt. So stört das Lesen nicht die Aufmerksamkeit für den Weg, und es bleibt Zeit, sich bereitzumachen. Auf Treppen, Rolltreppen und im Gehen packen Sie das Buch besser weg und halten sich am Handlauf fest.

    Fiktives Beispiel: Sie öffnen das Buch, wenn sich nach der ersten Haltestelle das Gedränge gelegt hat, und schließen es, sobald die vorletzte Haltestelle vor Ihrer angesagt wird.

  5. Merken Sie sich Seite und einen Gedanken

    Das Lesezeichen zeigt, wo Sie aufgehört haben, eine kurze Notiz, worum es ging. Ein Satz, eine Frage an den Autor oder ein Zitat, das Ihnen gefallen hat, genügt. Solche Notizen helfen, nach einer Pause zum Buch zurückzukehren, ohne das Kapitel neu zu lesen.

    Fiktives Beispiel: Auf dem Zettel-Lesezeichen stehen Zeilen wie „Die Heldin ist von zu Hause fortgegangen, noch unklar, warum“, und damit erinnern Sie sich eine Woche später leicht an die Handlung.

  6. Führen Sie eine „Will ich lesen“-Liste

    Wenn Sie von einem Buch hören, das interessant klingt, notieren Sie den Titel in einer einzigen festen Liste. Haben Sie ein Buch beendet oder beiseitegelegt, verschwenden Sie keine Fahrt mit Grübeln über das nächste, sondern wählen direkt aus Ihrer Liste.

    Fiktives Beispiel: In der Notiz sammeln sich gut fünfzehn Titel, die Sie von Kollegen und Freunden gehört haben, und die Wahl des nächsten Buches dauert eine Minute.

  7. Einmal pro Woche: weiter oder ein anderes

    Fragen Sie sich am Wochenende, ob Sie weiterlesen möchten. Kommen Sie mit einem Buch schon die dritte Woche nicht voran, können Sie es beiseitelegen und später zurückkehren – oder gar nicht. Um zu einem abgebrochenen Buch zurückzufinden, lesen Sie Ihre Notizen und die letzten zwei, drei Seiten vor dem Lesezeichen noch einmal, statt von vorn zu beginnen.

    Fiktives Beispiel: Ein im Frühjahr liegen gelassener Roman wird im Herbst wieder aufgeschlagen; die Notizen auf dem Lesezeichen erinnern an die Handlung, und das Lesen fällt leichter als beim ersten Mal.

Häufige Fehler

  • Mehrere Bücher auf einmal mitnehmen und keines zu Ende lesen
  • Für kurze Fahrten Texte wählen, die ein langes Eintauchen verlangen
  • Das Lesen mit dem Prüfen von Nachrichten auf demselben Smartphone beginnen
  • Im Gehen, auf der Treppe oder auf der Rolltreppe lesen, statt sich am Handlauf festzuhalten
  • Die Kopfhörer so laut stellen, dass Durchsagen nicht mehr zu hören sind
  • Ein uninteressantes Buch mit Gewalt zu Ende lesen und deshalb ganz mit dem Lesen aufhören

Andere Wege

  • Ist es im Verkehrsmittel eng und das Lesen im Stehen unbequem, probieren Sie ein Hörbuch – aber stellen Sie die Lautstärke so ein, dass Sie Durchsagen hören
  • Ist der Weg sehr kurz, lesen Sie nicht unterwegs, sondern in anderen Pausen: in der Schlange, beim Warten auf eine Verabredung, an der Haltestelle
  • Fällt es Ihnen schwer, die Gewohnheit allein zu halten, schließen Sie sich einem Buchclub an oder verabreden Sie mit einer Freundin oder einem Freund, dasselbe Buch zu lesen und einmal im Monat darüber zu sprechen

Prüfen Sie sich selbst

  • Sie wissen, wie lange die Fahrt dauert und welche Abschnitte ruhig sind
  • Ein Buch ist ausgewählt, das zu diesen Abschnitten passt
  • Das Buch liegt dort, wo Sie es sofort greifen können
  • Es gibt eine Regel, wann Sie das Buch öffnen und wann Sie es wegpacken
  • Lesezeichen und kurze Notizen sind vorhanden
  • Eine „Will ich lesen“-Liste wird geführt
  • Einmal pro Woche fällt die Entscheidung: weiter oder ein anderes Buch

Katalog der Beiträge auf Deutsch

Hier erscheinen nach und nach eigenständige Praxisbeiträge zum Lesen unterwegs, eigens für Leserinnen und Leser der deutschen Ausgabe geschrieben: zu Pendelstrecken und langen Bahnfahrten, zum Lesen in Wartezeiten, zum Umgang mit Notizen und zum gemeinsamen Lesen mit Kindern. Jeder Beitrag beschreibt ein allgemeines Vorgehen, nicht die Funktionsweise eines bestimmten Geräts oder Dienstes.

Derzeit enthält der Katalog noch keinen eigenen Beitrag auf Deutsch; oben finden Sie den Praxisbeitrag dieser Rubrik. Neue Beiträge werden in diese Liste aufgenommen.

Woran die Redaktion arbeitet

  • Lesen beim täglichen Pendeln: kurze Abschnitte zwischen Umstiegen sinnvoll nutzen
  • Die lange Bahnfahrt: Lektüre, Pausen und Notizen über den ganzen Tag verteilen
  • Ein Lesetagebuch führen: Notizen und Zitate, zu denen Sie gern zurückkehren
  • Gemeinsam lesen: ein Lesekreis mit Kolleginnen, Kollegen oder Nachbarn

Redaktionelle Grundsätze

  • Die Beiträge in diesem Katalog werden für jede Sprachversion eigens verfasst und sind keine Übersetzungen.
  • Einige Beiträge verlinken auf Websites Dritter, darunter Gaming-Dienste; auf deren Inhalte, Preise und Bedingungen haben wir keinen Einfluss.
  • Wir verbreiten keine Bücher oder Dateien und veröffentlichen keine Werbung für Geschäfte, Dienste oder Geräte, keine Rankings, Preise oder Erfahrungsberichte.
  • Fragen

    Kurze Antworten zu Formaten und Geräten, legalen Bezugsquellen, Lesegewohnheit und dem Weg selbst.

  • Glossar

    Das Glossar für Leser unterwegs: Formate, Rechte und Zugang, Notizen und Zitate – in einfachen Worten.

  • Sammlungen

    Leserouten: ein Buch für eine Fahrt, das erste Hörbuch, Lesen mit Kind im Zug.

Quellen

  • Beförderungsbedingungen im öffentlichen Verkehr – allgemeine Bestimmungen
  • Redaktionelle Beiträge des Ratgebers Metroreader

Die Angaben entsprechen dem Stand zum Erstellungsdatum. Die Bedingungen von Bibliotheken und ihren digitalen Angeboten legt jede Bibliothek selbst fest, die Verhaltensregeln im Verkehrsmittel bestimmt das jeweilige Verkehrsunternehmen – prüfen Sie daher die geltenden Regeln. Außerhalb Russlands können für den Schutz von Werken andere Fristen gelten.